Der dänische Außenminister Per Stig Møller und der Ministerpräsident der Färöer Jóannes Eidesgaard unterzeichneten im Dorf Fámjin auf Suðuroy eine gemeinsame Erklärung zwischen beiden Regierungen, die künftig den autonomen Färöern ein Mitspracherecht in der dänischen Außen- und Sicherheitspolitik garantiert.
Das bilaterale Abkommen sichert den Färöern die Teilnahme in allen internationalen Verhandlungen, die ihre Belange berühren. Gleichzeitig erhalten die Färöer das Recht, alle diplomatischen Einrichtungen Dänemarks mitzubenutzen, wann und wo immer es die Autonomieregierung für nötig erachtet. Einen eigenen Außenministerposten in der färöischen Regierung wird es vorerst aber nicht geben. Derzeit nimmt der Ministerpräsident, genannt Løgmaður, dieses Amt wahr.
Das heutige Vertragswerk muss noch sowohl vom dänischen Folketing als auch vom färöischen Løgting ratifiziert werden. Nach seinem voraussichtlichen Inkrafttreten am 1. September 2005 bedeutet der Vertrag von Fámjin (Fámjinsskjalið) einen Meilenstein im Souveränitätsprozess der Färöer seit der Autonomie von 1948.
Per Stig Møller und Jóannes Eidesgaard trafen sich im historischen Ort Fámjin, wo das erste Exemplar der Flagge der Färöer aufbewahrt wird. Neben diesem hohen symbolischen Stellenwert des Ortes wurde er auch gewählt, weil Suðuroy die Heimatinsel Eidesgaards ist, und Fámjin aufgrund seiner Lage als besonders naturschön gilt. Das Treffen war bereits für letztes Jahr geplant gewesen, ist aber aus terminlichen Gründen verschoben worden.
Møller erklärte im Vorfeld seines Staatsbesuchs: : „Ich freue mich sehr, den Färöern einen Besuch abzustatten, und namentlich die gemeinsame Prinzipienerklärung über die Mitwirkung und Einbeziehung der Färöer in die Außen- und Sicherheitspolitik mitsamt eines Vertrages über die Zusammenarbeit zu unterzeichnen. Die Erklärung ist ein sehr wichtiges Dokument, das den Wunsch der Regierung unterstreicht, dass die Färöer eine echte Einbeziehung und Einflussnahme auf gleicher Augenhöhe in allen Fragen bekommen, wo Dänemark und die Färöer involviert sind. Mit der Annahme des Vertrages über gegenseitige Zusammenarbeit erwarten wir einen Fortschritt in der Erleichterung der täglichen Zusammenarbeit zwischen dem Büro des Ministerpräsidenten der Färöer und dem dänischen Außenministerium in allen außenpolitischen Interessen der Färöer. Ich freue mich auch auf die Treffen mit dem Løgmaður und dem Außenausschuss des Løgtings im Hinblick auf die Besprechung aktueller außenpolitischer Fragen und die färöischen Meinungen und Interessen.“
Nach seiner Ankunft auf dem Flughafen Vágar ist Møller mit dem färöischen Küstenwachschiff “Brimil“ von Miðvágur direkt nach Fámjin gefahren. Jóannes Eidesgaard, der gerade aus seinem Osterurlaub zurückkehrte, hielt zusammen mit dem Außenausschuss des Løgtings auf der Schiffsfahrt eine Konferenz über die aktuelle Lage der dänischen Außenpolitik. Bei der Unterredung ging es auch um den Ausbau der Beziehungen der Färöer zur Europäischen Union, der sie im Gegensatz zu Dänemark nicht angehören.
Auf der Pressekonferenz in Fámjin um 17:15 Uhr Ortszeit (GMT) erklärten Eidesgaard und Møller übereinstimmend, dass nur mehr ein neues Kapitel in der Geschichte der Färöer aufgeschlagen wurde. Møller betonte, dass den bisherigen Unklarheiten in den Beziehungen beider Länder ein Ende gemacht wurde, und dass beide Völker im Königreich künftig als gleichwertig gelten.
Die Dokumente wurden unmittelbar nach ihrer Unterzeichnung auf der Website des dänischen Außenministeriums (um.dk) veröffentlicht.